niederlassung, existenzgründung
Nach vielen Jahren medizinischer Ausbildung mit Hilfe von Buch und Patient krönt der Facharztabschluss das erste große Kapitel des Arztberufes. Für die Mehrzahl ist das Berufsziel nun die eigene Praxis- die Niederlassung als Arzt.
Diese Existenzgründung ist nun mit völlig anderen Herausforderungen verbunden, als die bisherige Medizin. Der Lehrplan sieht auch keine tatsächlich gute Vorbereitung vor. Da es sich um einen zweifelsfrei wichtigen Schritt handelt, der maßgeblichen Einfluss auf den späteren Erfolg hat, ist eine externe Hilfe in den meisten Fällen unerlässlich. Schliesslich liegen die Aufgabe eines Arztes vorrangig in der Heilkunde und nicht der Betriebsführung. Letztere wird dennoch gern unterschätzt und das rächt sich leider auch erst nach vielen Jahren. Professionelle Hilfe für die Betriebswirtschaft ist sicher der beste Weg, damit sich der Arzt genau auf das konzentrieren kann, was er wirklich am besten kann- und zwar auch die meiste seiner Arbeitszeit.
Phase 1- die Niederlassung
Der Arzt sucht eine vorhandene Praxis oder gründet eine neue. Dabei gibt es vor allem die Themen Standortanalyse, Analyse und Auswahl der geeigneten Praxis, Kaufpreisverhandlung, der eigene Businessplan, die Suche nach geeigneten Steuer- und Rechtsberatern, die Finanzierung, die Einrichtung der neuen Praxis und die Personalauswahl. Jedes für sich mit einigem Aufwand verbunden und entsprechende Erfahrung vorausgesetzt. Das kann theoretisch jeder selbst organisieren, kostet aber praktisch immens viel Zeit, die an der eigentlichen Tätigkeit oder Familie fehlt, schlechte Erfahrungen dabei noch mit eingeschlossen. Das ist vielleicht vergleichbar mit den Selbstmedikationsversuchen von Patienten.
Phase 2- die Praxisführung
Die Praxis ist fertig, das Personal arbeitet und die Patienten kommen auch. Die Abrechnung läuft, die Steuer ist in guten Händen und die Einweihungsgeschenke sind platziert. Jetzt gilt es bereits frühzeitig, die Betriebswirtschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Der Businessplan war der erste Wurf, nach dem die Praxis nun gesteuert wird (neudeutsch Controlling). Eine Studie der Harvard University (USA) unterstreicht die Bedeutung des Businessplans- nur jeder Siebte hatte klare Ziele für seine Karriere (die verdienten dann immerhin das Dreifache der anderen) und nur jeder Dreißigste hatte diese auch schriftlich festgehalten (und verdiente das Zehnfache!). Bei Praxisbetrieb zeigt sich, wie realitätsnah der Businessplan erstellt wurde, an welchen Stellen Anpassungsbedarf besteht und welche Schwachstellen der tägliche Praxisbetrieb mit sich bringt. In dem Fall ist Prävention besser als Kurieren. Vergleiche mit den Fachkollegen sind zwar schnell erstellt, eine einfache Lösung für einzelnen Probleme ergeben sich daraus aber noch lange nicht. Darüberhinaus entwickelt sich das Marketing der eigenen Praxis zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor, was mit einer bunten Zeitungsauslage und netten Wandbildern nicht abgehakt ist.
Phase 2a- der “Rest”
Ein Lohn der Arbeit ist neben einem gesunderen Patienten auch die Tatsache, sich vom verdienten Geld etwas zu leisten. Dabei gerät oft ausser acht, dass Umsatz bzw. cash-flow nicht genau das ist, was auch wieder komplett ausgegeben werden darf. In diese Falle tappen ungewöhnliche viele und merken es erst viel später. Ein probates Mittel, den Überblick zu behalten, ist die Steuerung der Liquidität. Zum privaten Teile zählen ebenso die Vermögensstruktur, Altersvorsorge und private Absicherung.
Ab und zu ist Mitarbeiterführung nicht so, wie man sich das vorstellt und erwartet. Im Krankenhaus konnte jeder eigene Erfahrung sammeln und sitzt nun auf der anderen Seite des Schreibtisches. Der Umgang mit Menschen erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung.
